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Pressemitteilung
Nr. 06/10
9. Mai 2010

Psychologenverband fordert mehr muttersprachliche Therapie

BDP-Delegiertenkonferenz weist Position des Bundessozialgerichts zurück

Mit Nachdruck hat sich die Delegiertenkonferenz des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) am Wochenende (8./9.5.) in Berlin für mehr muttersprachliche, kultur- und gendersensible Psychotherapie ausgesprochen. Seit die Grenzen im EU-Raum gefallen sind, Leben und Arbeiten auch außerhalb des Herkunftslandes möglich ist, wächst der Bedarf an muttersprachlicher Therapie. Er besteht aber auch dringend unter Flüchtlingen, die keine Chance haben, in ihre Heimat zurückzukehren und noch viel weniger die Möglichkeit, dort Therapie in Anspruch zu nehmen. „Wir reden hier nicht mehr von Bedürfnissen einer Minderheit, sondern von einer veränderten Realität in Deutschland und Europa, der die Politik Rechnung tragen muss“, so die Menschenrechtsbeauftragte des BDP, Eva van Keuk.

Diese Realität ignorierend hat das Bundessozialgericht inzwischen wiederholt den Anspruch auf muttersprachliche Therapie zurückgewiesen, da in Deutschland Deutsch die Amts- und Gerichtssprache sei. In der Diskussion wiesen die Delegierten diese Begründung zurück, zeugt sie doch von wenig Verständnis für das Wesen von Psychotherapie, und fordern eine Änderung des Sozialgesetzbuches. Das BSG berücksichtigt nicht, so der BDP, dass Sprachkompetenz bei Psychotherapie anders als z. B. bei Chirurgen oder Zahnärzten eine Grundvoraussetzung für eine gelingende Behandlung ist. „Psychotherapie ist ohne das Medium Sprache nicht möglich“, heißt es in der Begründung des von den Delegierten angenommenen Antrags.

Eine erneute Auseinandersetzung vor deutschen Gerichten erscheint dem Verband derzeit aussichtslos, weshalb er zusammen mit anderen Verbänden den Weg der Petition gewählt hat. Diese zielt darauf, unter den Abgeordneten des Deutschen Bundestages das Bewusstsein für die Problematik zu wecken und so eine Änderung der gesetzlichen Regelungen zu erreichen. Die personellen Voraussetzungen seien durch viele Psychotherapeutinnen und -therapeuten aus den verschiedensten Herkunftsländern gegeben. „Wer an dieser Stelle über eventuell zu hohe Kosten spreche, ignoriere völlig, welche Kosten auf das Gesundheitswesen zukommen, wenn diese Therapien nicht finanziert werden, Chronifizierung eintritt bzw. statt eines Elternteils später mehrere Kinder Anspruch auf therapeutische Leistungen haben,“ so BDP-Vizepräsident Laszlo Pota.

Auf Grundlage des Beschlusses werden sich die rund 12.000 Mitglieder des Verbandes nun bundesweit für die Gesetzesänderung und im Vorfeld mögliche Schritte einsetzen – unter anderem in Form einer Unterschriftenaktion und durch Gespräche mit Abgeordneten. Auch seine zahlreichen Medienkontakte wird der Verband in diesem Sinne nutzen.

Christa Schaffmann, Pressesprecherin
Am Köllnischen Park 2, 10179 Berlin
Tel. 030 - 209 166 620
Fax: 030 - 209 166 680
E-Mail: presse@bdp-verband.de



Pressemitteilung
Nr. 04/10
9. März 2010

Falsche Medienberichte über Ermittlungen gegen 17 angebliche Psychologen

Berichte, wonach die Staatsanwaltschaft Düsseldorf gegen 17 Psychologen wegen Kindesmisshandlung ermittelt, sind falsch. Ob sich unter den Verdächtigen überhaupt Psychologen befinden, konnte Staatsanwältin Arndt am heutigen Dienstag (9. März) nicht sagen; die Berufsgruppe sei derzeit nicht Gegenstand der Ermittlungen. Alle Betroffenen hätten als Therapeuten bei der Educon (education Concepts), einem Tochterunternehmen der Graf-Recke-Stiftung gearbeitet, seien inzwischen aber von der Geschäftsführung entlassen worden. Angewendet wurde bei geistig behinderten Kindern die Körperbezogene Interaktionstherapie nach Dipl.-Psych. Dr. F. Jansen (eine verhaltenstherapeutische Modifikation der Festhaltetherapie - Welch 1984, Prekop 1983), der sich aber von den Praktiken in der Diakonie-Einrichtung distanziert.

Educon-Geschäftsbereichsleiter Jürgen Peters erklärte auf Anfrage des Berufsverbands Deutscher Psychologen (BDP), dass sich unter den Therapeuten nur eine Psychologin befand. Die Einrichtung beschäftigt vor allem Sozial- und Heilpädagogen sowie Erzieher. Der BDP betont, dass der Einsatz von Konzepten in ungeprüftem Zusammenhang ohne Evaluation nicht zulässig ist. Die Verantwortung für die auf Videos dokumentierten und laut Staatsanwaltschaft deutlich Misshandlungen zeigenden Praktiken bei Educon hätte damit aus Verbandssicht neben den Therapeuten auch die zuständige Leitungsebene zu tragen.

Die BDP-Pressestelle forscht im Moment noch nach der ursprünglichen Quelle für die Falschmeldung, um ggf. eine offizielle Gegendarstellung zu verlangen.

 

Neuer Landesgruppenvorstand gewählt

Wichtigster Tagesordnungpunkt der Mitgliederversammlung der Landesgruppe Hessen am Nachmittag des 28. 11. 2009 in Frankfurt-Bornheim war die Neuwahl des Vorstands. Nicht mehr zur Wahl standen Peter Fiesel, Dr. Rainer Doubrawa und Marlies Lübber-Hagmann, die viele Jahre lang in verschiedenen Funktionen auf Landesebene berufspolitisch aktiv gewesen waren. Heidi Breuer, die zuletzt  das Amt des Cassiers wahrgenommen hatte, kandidierte ebenfalls nicht mehr.
Zum neuen Vorstand wurden gewählt (jeweils ohne Gegenstimmen): als Vorsitzende Dr. Bettina Gorißen/Bad Homburg (bisher stellvertretende Vorsitzende), als Beisitzer,  zugleich stellvertretender Vorsitzender, Hans Hübotter/Rüsselsheim und als Beisitzer und Cassier Ingo Köhler/Frankfurt. Der neue Vorstand besteht somit, statt bisher aus fünf, jetzt  aus drei Personen. Die Amtszeit beträgt drei Jahre (bis Ende 2012).
Zum Delegierten nachgewählt (bis Ende 2010) wurde Peter Fiesel, der als Vorsitzender diese Funktion bisher qua Amt inne gehabt hatte, zum Ersatzdelegierten wurde Ingo Köhler auf eine bisher vakante Position nachgewählt.
Den Wahlen war der Bericht des Vorstands mit Aussprache vorhergegangen, einschließlich Bericht zur (zufriedenstellenden) Haushaltslage, sowie kurze Berichte aus den Sektionen Klinische Psychologie, Politische Psychologie, VPP und Angestellte und Beamtete PsychologInnen und zur neuen Hochschule für Psychologie/Psychotherapie (in Gründung) in Berlin.
Der Vorstand wurde ohne Gegenstimmen entlastet.

Die Mitgliederversammlung fand statt im Anschluss an eine gut besuchte, sehr informative Fortbildungsveranstaltung der Landesgruppe mit Dipl.-Psych. Björn Husmann/Bremen zum Thema „Burnout und Psychotherapie. Wenn der Akku zu streiken beginnt…“ Wer darüber etwas nachlesen  möchte, kann auf der Homepage des Referenten fündig werden.


gez. Dr.R.Doubrawa 07.12.2009

 

     
Einladung zur Mitgliederversammlung mit Vortrag (28.10.09)

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